Mutterschutz

07.02.2017

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Absolutes und individuelles Beschäftigungsverbot - Indikationen für Freistellungen

Absolutes Beschäftigungsverbot

Während der Zeit des absoluten Beschäftigungsverbotes, das acht Wochen vor dem errechneten Geburtstermin beginnt, ist die Beschäftigung der Arbeitnehmerin verboten.
Das absolute Beschäftigungsverbot endet grundsätzlich acht Wochen nach der Entbindung. Bei Früh-, Mehrlings- oder Kaiserschnittgeburten verlängert sich die Frist auf zwölf Wochen.
Verkürzt sich das Beschäftigungsverbot vor der Geburt, so verlängert es sich nach der Geburt im Ausmaß der Verkürzung, längstens jedoch bis zu sechzehn Wochen. 

Individuelles Beschäftigungsverbot

Der Beginn des Beschäftigungsverbotes kann aus medizinischen Gründen auf einen früheren Zeitpunkt vorverlegt werden.
Besteht bei Fortdauer einer zulässigen Beschäftigung - und zwar unabhängig von der Art der Tätigkeit aus Gründen, die im Gesundheitszustand der Mutter liegen - eine Gefährdung für Leben oder Gesundheit von Mutter oder Kind, so darf die werdende Mutter zu keinerlei Tätigkeit mehr herangezogen werden.
Diese Gefährdung muss dem Arbeitgeber durch ein amtsärztliches oder arbeitsinspektionsärztliches Zeugnis nachgewiesen werden.
Der vorzeitige Mutterschutz ist erst ab Ende der 15. Schwangerschaftswoche möglich, außer er ist über besondere medizinische Begründung schon früher erforderlich. 

Medizinische Indikationen für Freistellungen

Aufgrund eines Erlasses des Bundesministers für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz vom 17.12.2010 sind medizinische Indikationen für Freistellungen von werdenden Müttern:

  • Anämie mit Hämoglobin im Blut (mehr als 8.5 g/dl) mit zusätzlicher kardiopulmonaler Symptomatik,
  • Auffälligkeiten im pränatalen Ultraschall mit drohendem Risiko einer Frühgeburt unter laufender Therapie (z. B. Polyhydramnion),
  • Belastete Anamnese mit status post spontanem Spätabort oder Frühgeburt eines Einlings (16. bis 36. Schwangerschaftswoche), Mehrlinge
  • Insulinpflichtiger Diabetes Mellitus, wenn schwer einstellbar,
  • Kongenitale Fehlbildungen, Uterusfehlbildungen,
  • Organtransplantierte (z. B. Niere, Herz) Schwangere (hohe Rate an Frühgeburten, Wachstumsretardierung und mütterlicher Morbidität),
  • Plazenta praevia totalis bzw. partialis ab der 20. Schwangerschaftswoche,
  • Präeklampsie, E-P-H-Gestose, Status post Konisation,
  • Sonographisch bewiesene subamniale oder subplazentare Einblutungszonen
  • (Hämatome) mit klinischer Symptomatik,
  • Thromboembolische Geschehen in der laufenden Schwangerschaft,
  • Verdacht auf Plazenta increta/percreta inklusive Narbeninvasion ab der 20. Schwangerschaftswoche,
  • Vorzeitige Wehen bei Zustand nach Tokolyse im Krankenhaus,
  • Wachstumsretardierung mit nachgewiesener Mangelversorgung des Feten,
  • Zervixinsuffizienz: Zervixlänge unter 25 mm Länge und/oder Cerclage in laufender Schwangerschaft,
  • Grunderkrankungen der Schwangeren internistischer, pulmologischer, neurologischer, psychiatrischer Art, wenn eine Gefährdung für Mutter oder Kind vorliegt und vom jeweiligen Facharzt festgestellt wird.

Vorsicht! 

Erbrechen, Kreuzschmerzen, Blutungen in der Frühschwangerschaft und niedriger Blutdruck mit Kollaps-Neigung stellen keine Freistellungsgründe dar, sondern begründen einen Krankenstand.
Die Tatsache, dass eine älter als 35 Jahre alte Frau schwanger ist, ergibt nicht automatisch einen Freistellungsgrund. 
Ein Freistellungsanspruch kann sich aber daraus ergeben, dass die Beschäftigung nachteilige Auswirkungen auf die Schwangerschaft oder das Stillen haben kann (siehe dazu unser Servicedokument "Evaluierung von Frauenarbeitsplätzen wegen Mutterschutz³). 
Stand: 01.01.2017

Diese Information ist ein Produkt der Zusammenarbeit aller Wirtschaftskammern.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Wirtschaftskammer Ihres Bundeslandes:


Oberösterreich, Tel. Nr.: 05 90909